Winterreise …

Februar 17, 2007

Das Ende des Todes in Kenia

Winterreise
Franz Brenninger (Sepp Bierbichler) und Leyla (Sibel Kekilli) auf Winterreise in Kenia,
Kenianische Wolken,
Ein Regenbogen
Öffnen das Inn-umschlossene
Wasserburg.

Abgründige Lieder führen
In der Ferne mehr
Als hier Geschäfte und Familie
Ins Nichts.

Sie entstammen der
Verlorenen Zukunft

Und so lernt der Held:
Was wir den Tod nennen,
Ist das Ende des Todes.

Das Filmfest München eröffnete 2006 mit „Winterreise“, einem Film von Hans Steinbichler (Hierankl), der Ende November ins Kino kommt.

Mit unerträglichem Gepolter erschüttert Sepp Bierbichler als Eisenwarenhändler Franz Brenninger, das winterliche Kleinstädtchen Wasserburg, die „Geliebte des Inn“. Dort ist man scheinbar gewöhnt, dass der derbe Geschäftsmann und Gründer des Tennis-Clubs sich gerne daneben benimmt und jedermann als Arschloch bezeichnet. In schmerzhafter Lautstärke überbrüllt Brenninger die Gewissheit, dass ihm längst alle Felle davon schwimmen. Aus verletzter Eitelkeit quält er seine erwachsenen Kinder, die ihm – der Mutter zuliebe – raten sein marodes Geschäft zu verkaufen.

Freundliche Worte findet Brenninger in Wasserburg nur noch für seine Stamm-Prostituierte, seine kranke Frau Martha (Hannah Schygulla) und eine türkische Abiturientin, Sibel Kekilli als Leyla, die ihm bei englischsprachigen Geschäftspartnern übersetzt. Zu ihr fasst er Vertrauen, lässt sich aber gegen ihren Rat auf ein dubioses Geschäft mit Kenianern ein, weil er Geld für die Operation seiner Frau auftreiben will.

Er wird betrogen, steht vor dem Nichts und entschließt sich mit Leyla nach Kenia zu fliegen, um sich sein Geld zurückzuholen. Die junge Frau willigt ein – auch weil Martha sie gebeten hat, auf ihren Mann aufzupassen. Es ist nicht wirklich Aufbruch, vielmehr folgt er einer Zeile aus Franz Schuberts Liederzyklus Winterreise: „Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück.“

Im Kenia stößt sein Gepolter ins Leere, so dass er seine Umgebung wahrnehmen kann. Er sieht Armut und empfindet die eigene Traurigkeit, ohne dagegen aufzubegehren, spielt und singt schließlich in der Hotelbar eines der depressiven Schubertlieder. Der einstige Musikstudent ist Eisenwarenhändler geworden, weil es „einfach net g’reicht hod“. Trotzdem beeindruckt er Leyla und einen Hotelgast mit seiner Schubert-Interpration so sehr, dass sie ihm helfen seine Straße zu gehen.

2 Responses to “Winterreise …”

  1. hirschen Says:

    Winterreise ist ein Zyklus von 24 Liedern für Singstimme und Klavier, den Franz Schubert im Herbst 1827, ein Jahr vor seinem Tod, vollendete. [vollständiger Titel: Winterreise. Ein Cyclus von Liedern von Wilhelm Müller. Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte komponiert von Franz Schubert. Op. 89. Erste Abtheilung (Lied I-XII). Februar 1827. Zweite Abtheilung (Lied XIII-XXIV). October 1827.]

    Der stürmische Morgen
    Wie hat der Sturm zerrissen
    Des Himmels graues Kleid!
    Die Wolkenfetzen flattern
    Umher im matten Streit.

    Und rote Feuerflammen
    Zieh’n zwischen ihnen hin;
    Das nenn’ ich einen Morgen
    So recht nach meinem Sinn!

    Mein Herz sieht an dem Himmel
    Gemalt sein eig’nes Bild –
    Es ist nichts als der Winter,
    Der Winter, kalt und wild!

  2. hirschen Says:

    Im Dorfe

    Es bellen die Hunde, es rascheln die Ketten;
    Es schlafen die Menschen in ihren Betten,
    Träumen sich manches, was sie nicht haben,
    Tun sich im Guten und Argen erlaben;

    Und morgen früh ist alles zerflossen.
    Je nun, sie haben ihr Teil genossen
    Und hoffen, was sie noch übrig liessen,
    Doch wieder zu finden auf ihren Kissen.

    Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,
    Lasst mich nicht ruh’n in der Schlummerstunde!
    Ich bin zu Ende mit allen Träumen.
    Was will ich unter den Schläfern säumen?


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